S E L F C A R E

SPORT UND

AUSGEGLICHENHEIT


IM INTERVIEW MIT JULIA SCHNEIDER

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Über sportliche Herausforderungen

Das Wort “Marathon” kommt in meinem persönlichen Wortschatz nur in Verbindung mit Serien vor. Binge-Watching ist voll mein Ding, ganz im Gegensatz zu Binge-Laufen. Als bekennender Couch-Potato neigen sich meine Kilometer in der aktuellen Phase damit gen Null. Darunter leidet mitunter nicht mehr nur meine körperliche Fitness, auch die geistige trifft es langsam. Dicht gefolgt von Kopfschmerz und schlechter Stimmung. So fühlt es sich wohl an, wenn Stress nicht abgebaut werden kann, somit frage ich mich in letzter Zeit doch öfter, wie es denn wäre, wenn ich das Joggen für mich entdeckte.

Eine, die mir hier bereits um einige Kilometer voraus ist, ist Julia. Genau gesagt um 2.500 km jährlich, denn diese Strecke legt Julia im Jahr laufend zurück. Verrückt, wenn ihr mich fragt!

Julia ist Brand Managerin und ambitionierte Marathon-Läuferin. Ursprünglich aus einem winzigen Dorf an der Nordsee hat es sie über Thüringen und Frankfurt nach Köln verschlagen - ihre Wahlheimat seit nun 6 Jahren. Beruflich gibt sie als Brand Managerin bei der jungen Marke SALZEN Vollgas und challenged gemeinsam mit ihrem Team den Status Quo von Business- und Reise-Rucksäcken. Privat ist das Laufen ihre große Leidenschaft. Ihre nächsten sportlichen Ziele: Halbmarathon unter 1.30h sowie Marathon unter 3:15h.

__D A E R E : Julia, du bist ambitionierte Marathon-Läuferin und fährst Rennrad. Sport hat einen großen Stellenwert in deinem Leben, das merkt man direkt, wenn man dich kennenlernt. Wie bist du zum Sport gekommen und was fasziniert dich so daran am Ball zu bleiben?

J U L I A : Als Kind und angehender Teenie war ich alles andere als sportlich – eher gemütlich und eine der letzten, wenn es darum ging ins Team gewählt zu werden. Mit 13/14 kam die Wende, ich schnürte meine Sportschuhe und fing an regelmäßig zu laufen – aus Unzufriedenheit, als Ventil und zur Alltagsbewältigung. Ambitioniert wurde es dann erst 10 Jahre später mit meinem Jobeinstieg bei Nike. Mittagspausen oder Brainstormings wurden oft laufend in den Wald verlegt. Zudem war ich als Communications Managerin für die Kategorien Running & Womens Training in die Planung und Durchführung großer Laufveranstaltungen involviert, traf auf inspirierende Athleten und konnte selber erste Wettkampfluft schnuppern. Auf den ersten 5km und 10km Lauf folgte bald der erste Halb-, und 2015 der erste Marathon. Seit dieser Zeit ist Laufen bzw. generell Sport aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken und das nächste sportliche Ziel nie weit ums Eck.

"Wer ausgeglichen und mit sich selbst im Reinen ist, der funktioniert auch im Team besser."

J U L I A S C H N E I D E R

__D A E R E : Das Training nimmt nicht nur einen großen Part in deinem Leben ein, sondern damit einhergehend auch viel Zeit. Woher nimmst du die Kraft immer wieder ans Limit zu gehen und wie schaffst du es den Sport mit deinem Beruf in Einklang zu bringen?

J U L I A : Sport kostet mich so gesehen keine Kraft, keine Überwindung und ich muss mich selten zu einer Trainingseinheit motivieren. Im Gegenteil: mir fällt es viel, viel schwerer Pausentage einzuhalten oder auszuhalten, wenn geplante Trainings entfallen müssen. Daher nehme ich mir die Zeit schon früh am Morgen, bevor andere Umstände mir die Zeit nehmen können. Die Kilometer in den Büchern zu haben, wenn die Mehrheit da draußen gerade erst in den Tag startet, gibt mir ein gutes Gefühl, die nötige Gelassenheit und gleichzeitig die Energie, die ich für meine Projekte brauche. Zudem kann ich mich sehr glücklich schätzen, mit FOND OF einen Arbeitgeber zu haben, bei dem Fitness großgeschrieben wird. Wir haben ein eigenes Gym in unserem Office, das 24/7 geöffnet ist und wechselnde Kurse bietet.

__D A E R E : Was glaubst du, wie wirkt sich das Training auf dein Wohlbefinden aber auch auf deine Beruf aus?

J U L I A : Ich bin deutlich ausgeglichener, klarer im Kopf und weitaus belastbarer, wenn ich den Tag mit einem Lauf an der frischen Luft starte. Oft grübel ich währenddessen über Projekte, löse Probleme, an denen ich mir zuvor stundenlang die Zähne ausgebissen habe oder strukturiere meinen Tag gedanklich vor.

__D A E R E : Man sagt, Mannschaftssport macht teamfähig. Wie stehst du zu der Aussage, dass Läufer Alphatiere sind?

J U L I A : Ich glaube, Sport – egal welcher – trägt im Allgemeinen zu mehr Ausgeglichenheit und Wohlbefinden bei. Und wer ausgeglichen und mit sich selbst im Reinen ist, der funktioniert auch im Team besser. Als Läufer wird man oft als Einzelkämpfer abgestempelt und ja – laufen kann bestimmt auch einsam machen. Hinter dem Laufsport steckt aber auch eine große Community. Wir tracken uns auf Strava, planen und absolvieren gemeinsame Einheiten, gehen in aller Herrgottsfrüh auf Long Runs, planen Marathonreisen oder pushen uns mit Tempoläufen auf der Bahn. Ein Grund, warum mir meine alte Heimat Frankfurt fehlt – dort hatte ich ein wahnsinnig tolles Netzwerk aus Läufern, das ich mir in Köln erst noch aufbauen muss.

__D A E R E : Dieses Jahr werden viele Großveranstaltungen abgesagt. Was bedeutet das für dich, wenn diese großen Ziele, auf die man hinarbeitet, wegfallen? Wie schaffst du es trotzdem am Ball zu bleiben?

J U L I A : Ich genieße gerade den Umstand, durch die aktuelle Situation kein festes Sportziel vor Augen zu haben, keinen strikten Trainingsplan, kein Zeit- oder Distanzziel. Mein Training verläuft also eher nach Lust und Laune, ich verbringe viel Zeit auf dem Rennrad, mache lockere Läufe mit Freunden und Kollegen oder gezieltes Krafttraining, das ich sonst aus Angst vor tagelangem Muskelkater und dadurch bedingter Laufpause gemieden habe.

__D A E R E : Welchen Ratschlag hast du an Coachpotatoes wie mich? Wie schaffe ich es, mit dem Sport anzufangen?

J U L I A : Wir alle haben unsere Komfortzone und treten nur ungern raus – dabei fühlt es sich so gut an, eigene Grenzen zu verschieben und an neuen Aufgaben zu wachsen. Meine fünf Tipps für den Start:

  1. Sportart aussuchen & loslegen!

  2. Feste Zeitfenster und Routinen schaffen – „keine Zeit“ ist dann keine Option

  3. Erreichbare Ziele setzen

  4. Nicht zu schnell entmutigen lassen, wenn's mal nicht so rollt, sondern dranbleiben

  5. Aktivitäten tracken und Fortschritt visualisieren – z.B. mit Strava, dem Social Network für Sportler

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